Die Dosenfischer – der letzte Vorhang

Die Dosenfischer – seit 10 Jahren eine Institution in der deutschen, wenn nicht sogar europäischen, Geocaching Community. Über die Jahre haben sie unzählige Geocacher mit ihrem Podcast und ihren Liedern, die sich thematisch mit Geocaching beschäftigen, erfreut. Doch alles Gute hat ein Ende (bekanntlich hat nur die Wurst zwei), und so gaben aba, sandmann, stotco, DimiB und Seasack anlässlich des MEGA Switzerland – Meeting Friends 2017 ihr letztes Konzert.

Geocaching HQ hatte die Gelegenheit nach dem Auftritt mit der Band zu sprechen.

HQ: Es soll ja angeblich immer noch ein paar wenige Cacher geben, die noch nicht von euch gehört haben. Könnt ihr euch bitte kurz vorstellen und erzählen wie es dazu kam, dass ihr die Dosenfischer gegründet habt?

aba:
Wir sind die Dosenfischer, fünf Menschen aus Hamburg und Schwerin, die aus Spaß an der Freude Musik machen und Songs über das Geocaching geschrieben und gesungen haben.

Die Frage nach der „Gründung“ ist etwas speziell und eigentlich auch kennzeichnend für uns: Es hat sich alles so ergeben, unterlag nie einem Plan oder gar einer Strategie.
Es fing damit an, dass der sandmann und ich Geocaching als Hobby entdeckten, irgendwann nach einer Cacherunde zufällig ein Mikrophon in der Nähe hatten und ins Netz plauderten, was uns so beschäftigte. Die Geburtsstunde unseres Podcasts.
Etliche Ausgaben später konnte ich den Podcast-Termin nicht wahrnehmen, der sandmann wollte ihn nicht ausfallen lassen und nahm einen Song auf. Die Geburtsstunde des Singens über das Geocaching.

Eine verlorene Wette zur Anzahl der Will Attends für das erste Project-Event „Project Game“ in Bremen und wir standen mit Herrn stotco erstmals zu dritt auf der Bühne, beim „Project GeoGames“ in Leipzig dann zum ersten Mal in voller Besetzung mit DimiB und Seasack.

sandmann:
Musik mit deutschen Texten hat mich schon immer begleitet und nach den ersten gefundenen Caches, nach den ersten Stunden, die wir mit dem Lesen von Forenbeiträgen und Logs verbracht hatten, bemerkten wir schnell, dass sich da ein ganzes Universum auftut – ein Universum des menschlichen Miteinanders, voller Regeln, geschrieben und ungeschrieben, und voller umwerfender Menschen, deren Geschichten wir erzählen wollten. Nicht eins zu eins, wie etwa in einem Log, sondern gern mit einem Augenzwinkern, gereimt und zugespitzt und natürlich: mit Spaß.

HQ: Was waren eure einprägsamsten Momente, sowohl als Cacher als auch als Band?

aba:
Ich erinnere mich noch sehr gut an die ersten Caches, die ich mit einem Palm-Handheld und externem Bluetooth-GPS-Modul gefunden habe. Natürlich bleiben auch viele spektakuläre und aus meiner Sicht legendäre Caches wie die Chain-Reaction-Trilogie, das Betonschiff Redentin, Limestone, Forrest@Night und die Beelitz-Heilstätten in Erinnerung. Aber am Schönsten fand ich immer die Begegnungen mit anderen Cachern – sowohl in kleinen Gruppen beim Cachen, auf Events und später dann natürlich auf unseren Konzerten. Uns sind sehr viele Menschen auch sehr nahe gekommen und liegen uns sehr am Herzen. Das geht teilweise weit über „Bekanntschaften“ oder „Fans“ hinaus.

Als Teil der Band ist für mich nahezu jedes Konzert auf seine Weise einprägsam gewesen. Als Vater natürlich vor allem die, bei denen meine älteste Tochter mit auf der Bühne stand. (Lacht)

sandmann:
Als Cacher habe ich Sachen angepackt, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie wagen würde. Acht Stunden Suche im Wald, bis an die Grenzen der Erschöpfung – die Überfahrt zu einem auf Grund gelaufenen Schiff aus Beton, aba hat es erwähnt. Sogar ins Seil hab ich mich als extrem unsportlicher Mensch gehängt – und hab meine Grenzen erfahren. Viele außergewöhnliche Erlebnisse – fast immer mit tollen Menschen. Das ist Geocaching für mich.

So wie aba habe auch ich ein besonderes Familienerlebnis, das ich mit unseren Auftritten für immer verbinde: auch meine Tochter stand neben mir auf der Bühne – vor fast 3000 Leuten haben wir zusammen mit der Band beim Project Eck in Koblenz gesungen. Ansonsten: Gemeinsam mit der Band unterwegs zu Konzerten, auf Tour sein – das will doch jeder Amateurmusiker irgendwann mal erleben und dank der vielen Event-Veranstalter zwischen Ulm, Bremen, Koblenz, München und Rostock haben wir das wahr machen können.

HQ: Eure Songs decken ein breites Spektrum an Geocaching Themen ab. Habt ihr einen Favoriten?

aba:
Ich denke, uns geht es da wie unseren Zuhörern: Die Geschmäcker sind sehr verschieden. Ich mag beispielsweise sehr die balladigen Songs, vor allem den „Pickup-Truck“ oder auch die „Tage wie ein Schneemann“. Aber auch die lauteren Stücke wie „Bobbahn“ oder den „Nachtcacher“ kann ich extrem gut leiden. Gänsehaut habe ich jedes mal, wenn wir mit dem Publikum gemeinsam „Wir nennen es Dosenfischen“ singen.

sandmann:
Dem ist fast nichts hinzuzufügen. Jedes Lied ist für den, der es schreibt, ein kleiner Schatz, manches ist nur gut für eine gewisse Zeit, manches begleitet einen ein Leben lang. FTF erzählt wie ich finde eine sehr schöne Geschichte, aber ich mag auch die sehr reduzierten Songs wie „Kleine Wanze“ oder „Wenn ich reich bin“.

HQ: Habt ihr einen Lieblings-Geocache, und wenn ja – was macht ihn für euch besonders?

aba:
Einen Lieblings-Cache zu benennen würde allen anderen Ownern für ihre Mühen, Gedanken und Ideen unrecht tun. Es gab und gibt viele Caches, die in Erinnerung bleiben, fast jeder Cache war und ist ein kleines Abenteuer, ein besonderer Moment – und so haben wir die Caches auch hauptsächlich zelebriert. Ein besonderer Cache ist für uns genau das: Wenn der Owner es schafft, dass das Finden ein besonderer Moment bleibt – sei es aufgrund der Location, der Gegebenheiten oder der Bauart.

sandmann:
Es gab mehrere Caches, die uns gewidmet wurden. Die haben mich sehr berührt. Dass ein Owner sich so eine Arbeit macht – Dosen zu fertigen, in denen kleine Dosenfischer singen – zum Teil mit Licht und beweglichen Teilen, Multicaches, die sich auf unsere Lieder beziehen – das ist ein irres Gefühl. Darüber hinaus hat aba Recht – wann immer ein Owner sich Gedanken gemacht hat, uns einen schönen Tag, schöne Stunden oder auch nur eine kurze Überraschung beschert hat, war der Cache gelungen und wird in Erinnerung bleiben.

 

HQ: Wie hat es sich angefühlt, als ihr die Bühne zum letzten Mal verlassen habt?

aba:
Leer.

Es war schon während der Zugaben ein flaues Gefühl da. Und als es fast vorbei war, wollte ich unbedingt noch ein letztes Mal mit dem Publikum gemeinsam „Wir nennen es Dosenfischen“ singen. Als wir den Titel spielten, hatte ich nicht nur Gänsehaut, wie so oft, sondern auch diesen plötzlichen Gedanken „Das wars“. Der Weg von der Bühne war dann auch von vielen Emotionen begleitet. Und hinter der Bühne haben uns das Schweizer Orga-Team und unseren Familien in die Arme genommen.

sandmann:
Ich habs nicht realisiert. Ich war einfach nur glücklich, weil wir es trotz der kurzen Probenphase hinbekommen haben, ein gutes Konzert zu spielen, ich war glücklich und dankbar, weil das Publikum uns so in die Arme genommen hat, weil wir als Band so gut funktioniert haben an diesem Abend – das war wie im Rausch. Dass mit dem letzten Song die Dosenfischer Vergangenheit wurden, hab ich da schlicht vergessen.

HQ: Gibt es eine andere Band/einen anderen Künstler, mit dem ihr euch gerne die Bühne geteilt hättet?

aba:
Wir haben uns ja selber einen kleinen Traum erfüllt, und uns vor allem mit Stotco, aber auch DimiB und Seasack drei weitere Musiker auf die Bühne geholt, mit denen wir unheimlich gerne zusammen gespielt haben.

Es mag vielleicht komisch klingen, aber wir haben als Band mehr erreicht, als wir uns jemals hätten vorstellen können. Ich meine: Welches andere Hobby bringt eigene Bands hervor, die Konzerte gibt und CDs produziert? Welche andere Community feiert diese Band derart? Das ist, wenn man sich das mal genau betrachtet, etwas sehr Außergewöhnliches und Einmaliges. Dafür sind wir unendlich dankbar!

sandmann:
Genau. Das trifft es zu 100 Prozent. Natürlich haben wir unsere ganz persönlichen Helden – beim Geocaching wie in der Musik, Leute, die wir bewundern, die wir gern mal kennenlernen würden. Aber im Prinzip haben mich die Dosenfischer was Auftritte betrifft wunschlos glücklich gemacht.

HQ: Was steht nun nach dem Ende der Dosenfischer für euch an?

aba:
Wir werden auf jeden Fall weiter Musik machen – jeder in seinem Umfeld. Vielleicht packt es uns hin und wieder und wir finden zusammen in irgendeinem Proberaum und machen gemeinsam Musik.

Jetzt warten wir erst einmal sehnsüchtig die Veröffentlichung unserer CD „Wir nennen es Dosenfischen“ auf den Musikportalen (iTunes, Spotify, Google Play usw) ab. Klingt komisch, ist aber so: Unsere allererste CD ist dort noch nicht zu finden gewesen. Leider dauert das immer unsagbar lange… Und vielleicht bringen wir die neuen Songs, die auch noch auf keiner CD zu finden sind, auf genau diesem Weg in die Welt. Aber das ist alles noch völlig offen, wir machen, wie wir Lust haben. (Lacht)

sandmann:
Ich probiere im Moment alles mögliche aus. Video und Text, Poetry Slam, Podcast… Mal gucken, ob einiges davon den Weg auf eine Bühne findet. Doch das wird Kleinkunst, vorgestellt hier in Schwerin und drumrum – so etwas großes wie die Dosenfischer, das kriegt man nicht zweimal geschenkt. Ich bin bei all dem aber sehr froh, aba, DimiB, Seasack und den Herrn stotco zu kennen, so weiß ich, wenns nochmal juckt, wenn da nochmal Ideen sind, die nach einer Band rufen, dann kenne ich da die richtigen Leute…

HQ: Habt ihr noch ein paar “letzte Worte” für eure zahlreichen Fans?

aba:
„Letzte Worte“ klingt jetzt ziemlich hart. Denn natürlich hoffen wir (und sind uns ehrlich gesagt auch ziemlich sicher), dass der Kontakt nicht abbricht. Denn all die Jahre haben uns immer und immer wieder eindrucksvoll klargemacht, wie sehr wir die Menschen um uns herum mögen. Deshalb sind es für uns auch nicht „zahlreiche Fans“ sondern „viele Freunde“, die wir tatsächlich durch das Cachen, den Podcast und die Musik gefunden haben. Und die uns alle sehr am Herzen liegen. Und die uns ehrlich gesagt schon immer spätestens am zweiten Tag nach einem Konzert wieder sehr fehlen.

sandmann:
Ui. Letzte Worte. Puh. Nach dem was aba gesagt hat, eigentlich nur eins: Danke!

Wir hier bei Geocaching HQ sagen ebenfalls DANKE! Für all die schönen Momente und Erinnerungen und alles, was ihr für die Geocaching Community getan habt. Doch wer weiß, eventuell werden sich unsere Pfade wieder kreuzen, denn wie schon Trude Herr sagte: „Niemals geht man so ganz.“

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